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Tod eines Topmodels: When You’re In Love With A Beautiful Woman …

When you’re in love with a beautiful woman, it’s hard
When you’re in love with a beautiful woman, you know it’s hard
Everybody wants her, everybody loves her
Everybody wants to take your baby home

Dr. Hook

Schaut sie Euch an. Wie schön sie war. Gott – oder wer auch immer – muss einen verdammt guten Tag gehabt haben, als er sie erschuf. Obwohl, nein, streicht „Gott“. Gäbe es ihn, würde Reeva Steenkamp noch leben.
Es war nicht nur ihre Schönheit, die aus dem südafrikanischen Model einen ganz besonderen Menschen machte. Reeva hatte alles, was eine Frau aus dem Land der Träume haben sollte. Wie schön sie war …, ach, nee, das hatten wie ja schon, sie hatte ein kluges Köpfchen, einen gesunden Ehrgeiz und – so sagen ihre Freunde – ein großes Herz. Kurz: Sie war eine perfekte Zehn. Nur eines fehlte ihr: Das richtige Händchen bei der Partnerwahl.

Wer mit einer Frau wie Reeva zusammen ist, braucht Eier, die so dick sind, wie Elvis kurz vor seinem Tod. Denn das Leben mit so einer Frau – das wusste schon Dr. Hook in seinem Siebzigerhit When You’re In Love With A Beautiful Woman – kann verdammt hart sein. Bestenfalls hat ein Mann, der mit einer Frau wie Reeva zusammen ist, als Kind in Drachenblut gebadet, das ihn unverwundbar werden ließ. Oscar Pistorius verlor als Kind beide Beine. Weiter kann man von einem Bad im Drachenblut kaum entfernt sein.
Wenn du deiner Frau nicht gewachsen bist, wird jeder Tag zu einem Kampf gegen deine Dämonen. Eigentlich war Pistorius ein Kämpfer. Ein großer Kämpfer sogar. Aber er war eben auch ein Krieger. Er zog in einen aussichtslosen Krieg um seine Liebe. Wäre er nicht nur ein großer Kämpfer, sondern auch ein großer Krieger gewesen, hätte er seine Niederlage wie ein Mann hingenommen. Was macht er stattdessen? Erschießt seine Freundin und leugnet die Tat zu allem Überfluss auch noch. Wie erbärmlich kann man sein?

Männer, die einen gewissen Ruhm erlangt haben, glauben, ihnen würde eine Frau mit Klasse zustehen. Sie meinen, sie hätten sie sich verdient. Ein Trugschluss. Ruhm allein hat keine Klasse. Wie beispielsweise ein Lothar Matthäus Jahr für Jahr aufs Neue beweist.
Es ist das O. J. Simpson-Phänomen. Sicher, auch ein paar weiße Männer ohne Körperbehinderungen haben ihre Frauen abgeschlachtet. Doch die waren meist irre. Simpson war vor allem gedemütigt. Auf die Idee ein miserabler Ehemann gewesen zu sein, kam er gar nicht. Es spukte nur Eines in seinem Kopf: „Sie verließ mich, weil ich schwarz bin!“
Bei Oscar Pistorius war es seine Behinderung, die aus ihm einen zutiefst unsicheren Mann machte. Einem Typen, der ein paar Sätze mit Reeva wechselte, drohte der chronisch eifersüchtige Pistorius wortwörtlich: „Ich brech dir beide Beine!“ Grotesker, aber eben auch entlarvender, gehts nun wirklich nicht. Da ist immer diese Angst, so eine Frau zu verlieren, da ist immer dieses Wissen, so eine Frau, wenn du sie erst einmal verloren hast, niemals wieder zu bekommen. Diese Gedanken nagen selbst – und gerade – in den schönsten Momenten an so einem Mann. Unbekümmertheit, die gerade eine frische Beziehung braucht, fühlt sich anders an.

Die Sache ist im Grunde ganz einfach: Wer einen Abstieg aus der Champions League nicht verkraftet, sollte weiter in seiner Liga spielen. Oscar Pistorius hätte sich zum Beispiel bei den Paralympics ein hübsches Mädchen ohne Arme suchen können. Wäre perfekt gewesen. Er hätte ihr zu Hand gehen können, sie ihm Beine machen. Und, und das ist das Einzige, was mich an diesem Fall wirklich interessiert: Reeva Steenkamp, die Frau, die einst so schön war, würde heute noch leben.

Photo: FHM

Diskussionen

21 Antworten zu “Tod eines Topmodels: When You’re In Love With A Beautiful Woman …”

  1. meinste wirklich, Olli? Das bedrängende Gefühl mangelnder eigener Klasse ist doch weder mit Behinderung oder Hautfarbe oder ähnlichem gekoppelt. Sicher, das mag im Fall von Pistorius ein Mitauslöser gewesen sein für seine emotionalen Ausbrüche. Aber…daß Männer Angst haben. ihre wunderschöne Trophäe zu verlieren und sie lieber kaputtmachen als jemand anderem in Aussicht zu stellen…das gibt es doch so unendlich häufig. Rasende Eifersucht, die lieber zerstört als gehen lässt – wie oft passiert das. Und wie oft ist es sogar gesellschaftlich anerkannt, besitzergreifend und eifersüchtig wie Othello zu sein?
    Sagte auch mal ein Ex zu einem Bekannten von mir, wofür ich vor Scham fast versunken wäre: “Ey, ich hack Dir gleich die Hände ab”. Naja, der Ex war zugegebenermassen ziemlich gehirnamputiert.

    Doch in einem gebe ich Dir recht im Fall Pistorius: wieso hat er jetzt nicht aus Respekt vor den Angehörigen und der Toten die Eier in der Hose, seine Tat zu gestehen? Das ist so unendlich erbärmlich.

    Geschrieben von Karla | 19. Februar 2013, 13:12
    • Ja, meine ich, Karla. Ich schriebs nicht, um zu provozieren. Aber ich bin in wieder einmal der Einzige im Land, der wagt auszusprechen, was Sache ist. Ich bin Idealist, kein Gutmensch, deshalb darf ich das. Political Correctness ist so gar nicht Meines, wie Du weißt. Wo Scheiße drin ist, steht bei mir auch Scheiße drauf. Und nicht Schokoladenpudding.
      Dass es auch körperlich gesunde weiße Männer gibt, die ihre Frauen abschlachten, schrieb ich im Text. An meiner These ändert das nichts.

      Geschrieben von Oliver Flesch | 19. Februar 2013, 13:32
      • ich meine, dass auch einem “Mädchen ohne Arme” dasselbe Schicksal hatte blühen können. Er hat sie nicht umgebracht, weil sie so schön und so perfekt war. Sondern weil sein kaputtes narzistisches Ego offenbar etwas zerstören musste, um seine Wut zu kanalisieren. Nur – wenn es ein Mädchen ohne Arme gewesen wäre, dann hätte diese Story niemanden interessiert, wie das bei so vielen Beziehungstaten der Fall ist. Dann wäre es ein Eifersuchtsmord unter vielen gewesen. So ist halt Aufruhr im Wespennest. Es ist traurig. Aber es passiert jeden Tag irgendwo.

        Geschrieben von Karla | 19. Februar 2013, 13:55
      • “Er hat sie nicht umgebracht, weil sie so schön und so perfekt war.”
        Sehe ich nicht so. ER eben schon.

        Geschrieben von Oliver Flesch | 19. Februar 2013, 14:03
      • So traurig es ist: Es ist ja nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Seien es Angriffe mit Säure auf ehemalige Schönheitsköniginnen oder eben jemand der schiesst: Man verkraftet es nicht, dass andere mitbuhlen oder andere die Schönheit “besitzen”…Was ich ihm hingegen abkaufe ist seine Aussage vor Gericht: «Ich verstehe nicht, wie ich wegen Mord angeklagt werden kann. Weil ich nicht beabsichtigte, meine Freundin Reeva Steenkamp zu töten.»

        Danke, dass wenigstens einer im Land der Dichter und Denker sich noch traut so etwas auszusprechen.

        Geschrieben von Joël | 19. Februar 2013, 14:38
      • Du heißt – oder nennst Dich – wie mein großer Sohn. Ihm fehlen nur die Kleinmädchentittchen auf dem “E”. Aber Du bist ja auch eine Frau. ;-)
        Danke für Deinen Kommentar, erfreut sehr.

        Geschrieben von Oliver Flesch | 19. Februar 2013, 14:50
      • Zuerst ein Kompliment an deinen Sohn, er hat einen tollen Namen. Ich enttäusche dich nur ungern aber für eine Frau fehlen mir sowohl das gute Aussehen, als auch die Graziösität und meist auch der Anstand auf öffentlichen Plätzen… und als französischsprachiger Zeitgenosse nehme ich mir die Freiheit die Kleinmädchentitten überall zu benutzen, und sei es nur um Beamte zu ärgern weil sie nicht wissen, wo man die auf der Tastatur findet. Die weibliche Variante wäre übrigens Joëlle ;)

        Geschrieben von Joël | 20. Februar 2013, 21:24
  2. Phu, harte Worte.

    Ich kannte beide nicht.
    Den Fall habe ich bis grade nicht mit seiner Behinderung in Verbindung gebracht.
    Er verlor als Kind seine Beine,
    wenn das mal kein Schubs ins Drachenblut war.
    Entweder man geht unter oder steht seinen Mann.
    Wer hat denn im Drachenblut gebadet wenn nicht dieser Mann,
    der mit seiner Schwäche so stark umgeht.
    Der hat doch diesen Dämon für sich besiegt.
    Ich weiß nicht was passiert ist.
    So etwas passiert,
    leider.

    Geschrieben von Bianca | 19. Februar 2013, 13:31
  3. Die Erbärmlichkeit sehe ich nur darin diese endgültige Tat begangen zu haben.
    Jetzt kämpft er wieder,
    um sein Leben.
    Verständlich.
    Das Leid der Hinterbliebenen,
    ohne Frage,
    unermesslich

    Geschrieben von Bianca | 19. Februar 2013, 13:39
  4. “Oscar Pistorius hätte sich zum Beispiel bei den Paralympics ein hübsches Mädchen ohne Arme suchen können. Wäre perfekt gewesen. Er hätte ihr zu Hand gehen können, sie ihm Beine machen.”

    Haha you made my day!

    Dicke in Drachenblut gebadete Eier finden auch ‘ne neue Frau. Kämpfe kann man auch verlieren, hauptsache man hat gekämpft.

    Geschrieben von Daniel | 19. Februar 2013, 15:56
  5. Erst mal, ein suuper Post. Leider kann man nicht so lange loben, wie kritisieren. Ich wenigstens nicht. Wenn Du das kannst, Du wärst einer der wenigen Menschen, denen ich das zutraue, würde mich freuen, wenn Du mir Tipps gibts.

    Eigentlich war Pistorius ein Kämpfer. Ein großer Kämpfer sogar. Aber er war eben auch ein Krieger. Er zog in einen aussichtslosen Krieg um seine Liebe. Wäre er nicht nur ein großer Kämpfer, sondern auch ein großer Krieger gewesen, hätte er seine Niederlage wie ein Mann hingenommen.

    Wäre er ein wirklich großer Kämpfer gewesen, hätte er den richtigen Kampf geführt. Und, ja, dabei hätte er auch seine Freundin verlieren können. Dies hätte er dann wie ein Mann hingenommen.

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir Leute mit Armen und Beinen und Augen und Ohren und so weiter einem Behinderten vorschlagen sollen, wie er sein Schicksal annehmen soll oder wie er damit umgehen soll. Andererseits tut auch uns die Seele weh. Vielleicht ist es egal, was der Auslöser ist, ich glaube, der Schmerz ist der gleiche, grauenvoll und lebbar.

    Liebe Grüße

    Monika

    Geschrieben von Monika | 19. Februar 2013, 19:51
  6. Coole Worte, und er hat wohl auch noch gedopt, sprich zu seinen Komplexen kamen dann auch noch die bösen Nebenwirkungen der Steroide. ich frage mich immer was wollen solche Frauen bei so Typen, denn die sind nicht plötzlich so, sondern da ist meistens ein Muster vorhanden.

    Geschrieben von herr meier | 20. Februar 2013, 12:19
  7. Toller Blog! Verletzter männerstolz ist was übles… Klar, Frauen können das auch, aber darum geht’s ja grade nicht… Und ich finde die Worte nicht hart. Ganz im Gegenteil: sie bringens doch auf den Punkt.
    Daumen hoch für olli, gerade weil ich persönlich manchmal ja glaube, bei dir schlummert auch einiges an Unsicherheit..

    Geschrieben von Roxxy | 20. Februar 2013, 13:28
  8. Na, dass ist doch mal wieder was für mich. Ein ganz heisses Eisen aus einer der dunkelsten Ecken des kollektiven, menschlichen Unterbewusstseins. Beim Stichwort Gendefekt auf Wikipedia dachte ich natürlich auch erstmal sofort, jetzt ist mir alles klar. Doch was mich in letzter Zeit viel mehr in diesem zwischenmenschlichen Drama beschäftigt ist ihre Rolle, denn tot sind sie jetzt beide, der eine seelisch, der andere körperlich. Worüber genau ist an diesem Valentinstag zwischen den beiden ein so heftiger Streit entbrannt, dass einer möglicherweise dabei die Nerven verlor, oder seine Maske? Ging es vielleicht bei diesem Streit am Tag der Liebenden um den Wunsch nach einem Kind, und wer hat diesen Wunsch eventuell ausgesprochen?
    Hier sind zwei extrem gegensätzliche Pole aufeinander getroffen, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten, doch was war ihr Schatten, der Schatten des Engels? Was für ein Gift, was für eine tödliche Energie hat sich da zwischen einem Inbegriff vermeintlicher “genetischer und menschlicher Perfektion” und einem vermeintlichen Inbegriff “genetischer und menschlicher Imperfektion” entladen, so wie es die Medien jetzt darstellen? Das da jemand alle Sicherungen durchgeflogen sind ist offensichtlich, aber ich frage mich immer noch warum. Dazu gehören doch immer zwei, und sie war doch fast schon so etwas wie eine post moderne, neuzeitliche Heilige.
    Die beiden haben doch auch sicher in der Schule schon mal etwas über Mendels, nein, nicht Mengeles Vererbungslehre gehört, und das damit gewisse Risiken verbunden sind, sein können. Ich weiss, Erbgesundheit ist in Deutschland ein ausgesprochen unpopuläre Thema, zumindest im öffentlichen Diskurs. Aber jeder ein wenig gebildete Mensch weiss doch heutzutage, dass solche Aspekte bei der Partnerwahl zumindest unbewusst eine nicht unerhebliche Rolle spielen, neben sozialen Faktoren. Oder ist das ganze sogar nur deshalb passiert? Weil sich beide nie getraut haben, dass heikle Thema bereits am Anfang ihrer Beziehung mal zu verbalisieren? Die Frau muss sich doch auch schon mal darüber Gedanken gemacht haben, was einen zukünftigen Kinderwunsch betrifft, selbst wenn beide eventuell sogar von Freunden und der Familie nie darauf angesprochen worden sind.
    Oder doch einfach nur banale, verabscheuungswürdige Eifersucht und verletzter Stolz? Oder wollte sie ihm ums verrecken beweisen, dass sie ihn trotzdem liebt, auch ohne eigene Kinder, oder eventuell sogar unter Inkaufnahme des Risikos, und er konnte oder wollte letzteres einfach nicht glauben, oder wagen? War sie tatsächlich eine solch überirdische, übermenschliche Inkarnation bedingungsloser Liebe, die selbst die nicht unerhebliche Belastung durch eventuell behinderte Kinder für ihn, für ihre Liebe bereit gewesen wäre mit ihm zu tragen? Dann ist sie jetzt im Himmel, und wird auf ihn warten. Denn er ist dann für sie durch die Hölle gegangen, wird jetzt für sie durch die Hölle gehen, bevor sie sich wieder sehen. Aber das muss jetzt niemand verstehen, was ich gerade geschrieben habe. Denn die Gesetze des Himmels sind nicht die gleichen wie die der Menschen. Denn vielleicht war es ja wirklich ein Versehen, doch in seiner Haut möchte ich so oder so nicht stecken, nicht etwa, weil er behindert ist. In Indien werden missgebildete Menschen sogar verehrt, auch ohne überirdische Erfolge, als besondere Inkarnationen des Göttlichen. Hat sie ihn vielleicht deshalb geliebt? Oder war sie nur von seiner animalischen Inbrunst und seinem unbändigen Ehrgeiz und Lebenswille fasziniert, mit der er auch sie, ihre Perfektion, ihre Schönheit und Makellosigkeit begehrt und damit anerkannt hat, und die ihr am Ende eventuell zum tödlichen Verhängnis wurde? Wir wissen gar nichts über diese Liebe, oder psychologisch verhängnisvolle Zusammenkunft zweier Menschen. Nichts! Und doch spielen wir uns alle als Richter auf, so, als wären wir an diesem Abend dabei gewesen. Vielleicht hat er sich ja nicht als “ganzer Mann” gefühlt, Oli. Wer von uns möchte im nächsten Leben sein Los teilen. Freiwillige vor.

    Geschrieben von Aca | 22. Februar 2013, 00:53
  9. Hier, für die, die des Englischen mächtig sind. Sein Affidavit zu seiner Verteidigung:

    http://www.standard.co.uk/news/crime/in-full-oscar-pistoriuss-defence-affidavit-8501265.html

    Geschrieben von Aca | 23. Februar 2013, 01:59
  10. Aber ich glaube jetzt zu wissen, warum wir uns so schwer tun mit unserer Unschuldsvermutung, die wir eigentlich alle jeden Tag viel mehr in unserem Herzen mit uns rumtragen müssten.

    Weil es eine noch ungeheuerliche Tragödie wär’, beziehungsweise ist, wenn es keinen Schuldigen, keinen Bösen wie im Kino oder im Fernsehen gibt, sondern nur zwei wundervolle Menschen, denen unsägliches Leid widerfahren ist, und noch widerfahren wird, auch bei einem Freispruch.

    Weil es uns an unsere Ohnmacht erinnert, der wir selbst bei grösster Vorsicht und Planung unseres Lebens, trotz grösstmöglicher Liebe und Achtung vor dem Leben, tagtäglich ausgeliefert sind.

    Geschrieben von Aca | 23. Februar 2013, 15:16

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