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Mixtape

Ein paar Gedanken über das Ende einer Liebe …

Einmal in einer alten Karre durch Amerika. Nur sie und ich. Das war der Plan. Hat nicht mehr hingehauen …
Photo: Bruce Davidson / 1959

Es heißt in einem alten Luther Vandross/Janet Jackson-Duett, die besten Dinge im Leben würden nichts kosten. Klingt gut, klingt schlüssig. Klingt vor allem fair. Dank der Logik –  Geld allein macht nicht glücklich – die hinter diesem Songtitel steckt, bekommen auch weniger gut Betuchte ein Stück vom Kuchen des Glücks ab. Von der Liebe zum Beispiel. Die lässt sich nicht kaufen, für kein Geld der Welt, schon klar. Aber ist sie wirklich kostenlos? Oh, nein! Nicht im Ansatz. Nichts, aber auch gar nichts, ist teurer als die Liebe. Sie führt die Botschaft der Zeile „The Best Things in Life Are Free“ geradezu ad absurdum. Schließlich investieren wir in sie. Tag für Tag. Und das mit dem Wertvollsten, was wir haben – unseren Herzen.

Neulich besuchte mich eine Frau, mit der ich Mitte der Nullerjahre zwei Jahre zusammen war. Sie behauptet heute, es seien vier Jahre gewesen, na, wir waren uns damals schon selten einig. Ich hatte sie bestimmt sieben Jahre nicht gesehen. (Was sie mit einem äußerst charmanten „Du bist aber alt geworden!“ kommentierte.) Sie behauptet heute, es seien vier …, ach, egal, wichtig ist: Sie weinte, als sie mich umarmte. Ich liebte diese Frau längst nicht mehr, und ich wage mal zu behaupten, dass auch ihre Liebe im Laufe der Jahre verblasst war.
Warum also ihre Tränen? Ich habe sie nicht gefragt, aber ich schätze mal, es waren die Erinnerungen an unsere schönen Zeiten. Dabei waren unsere zwei bis vier Jahre oft alles andere als schön. In meiner Top 5 der Frauen, die ich am heftigsten verletzte, steht sie auf einem soliden zweiten Platz. Es waren meine letzten harten Kokainjahre, damals mit ihr. Und jemand, der zwei, dreimal pro Woche kokst, kann kein guter Freund sein, selbst wenn er sich noch so sehr bemüht.
Warum also ihre Tränen?
Weil sie Frieden schloss mit unserer Vergangenheit. Vielleicht auch ein bisschen, weil in den sieben Jahren nach mir niemand Bedeutsames in ihr Leben trat. Es hielt immer nur ein paar Monate. Dabei ist sie eine Topfrau. Heute noch mehr als früher sogar. Ach, nein, ich denke wirklich, es lag hauptsächlich daran, dass sie mir inzwischen verziehen, sie inzwischen realisiert hatte, dass ich ihr nicht absichtlich wehtat, und dass auch ich es nicht immer leicht hatte mit ihr.
 
Mir war nicht nach Weinen bevor sie mich umarmte, doch als ich ihre Tränen auf meinen Wangen spürte, schossen sie auch aus mir heraus. Liebe, selbst wahre Liebe, hält in unseren Tagen, meist nur ein paar Sommer. Mein Rekord liegt bei gerade einmal vier Jahren. Und wisst Ihr, früher war es mir relativ egal, ob ich nach dem Ende einer Beziehung ein gutes Verhältnis mit „meinen“ Mädchen hatte oder nicht. Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute fühle ich mich nicht mehr unsterblich, wie noch in meinen Zwanzigern und Dreißigern. Heute ist mir bewusst, dass wir nur dieses eine Leben haben. Und dieses eine beschissene Leben ist mir einfach zu kostbar, um es mit Hassgefühlen für ein knappes Dutzend Menschen, die ich immerhin ein paar Jahre geliebt habe, zu besudeln. Ich möchte meinen Frieden schließen mit diesen Frauen, meinen Seelenfrieden.

Meine letzte Trennung verlief wieder einmal desaströs. Vieles davon habt Ihr in meinem Blog mitbekommen. Sämtliche Schuld am Scheitern unserer Liebe wurde bei mir abgeladen, geliebt habe ich sie ihrer Meinung nach nie und ich sei eh der schlimmste Mensch auf dieser Welt. Ich verstehe das. Einen Menschen zu dämonisieren macht eine Trennung einfacher. Wer will schon mit dem Teufel persönlich zusammen sein?
Aber auch sie hat nur dieses eine Leben. Und vielleicht kommt auch sie irgendwann drauf, dass es Schöneres gibt, als an ein paar Jahre seines Lebens voller Hass zurückdenken zu müssen. Dass man, um dem zu entgehen, eine Beziehung in Anstand und Würde beenden sollte. Vielleicht kommt sie drauf. Irgendwann. Vielleicht auch früher. „Damit – das war der letzte Satz, den ich ihr schrieb – wir vielleicht irgendwann mit einem Lächeln an die paar schönen Erinnerungen, die wir aneinander haben, zurückdenken können.“
Auf eine Antwort warte ich noch.

Diskussionen

22 Antworten zu “Ein paar Gedanken über das Ende einer Liebe …”

  1. Du hast mal wieder sowas von Recht!! :-)

    Geschrieben von Ina Hase | 18. Februar 2013, 19:44
    • Echt? Auch in Deinem speziellen Fall? Ich hatte nämlich überlegt, ob ich eine Ausnahme für besonderes schwere Fälle in den Text einbaue. ;-) Manchmal hat man ja wirklich – auch objektiv gesehen – ganz fürchterlich in die Scheiße gegriffen. Aber selbst dann sollte man sich fragen, warum man so lange mit dieser Person zusammen war.

      Geschrieben von Oliver Flesch | 18. Februar 2013, 19:53
      • Ja,auch in meinem Fall….hab ich aber auch ein paar Jahre für gebraucht das alles zu verarbeiten! Bin sehr zufrieden und glücklich in meiner neuen Beziehung, vielleicht liegt es daran!

        Geschrieben von Ina Hase | 18. Februar 2013, 20:01
      • Sehr gut möglich.

        Geschrieben von Oliver Flesch | 18. Februar 2013, 20:02
  2. Und du hast bis in die 40er gebraucht um das zu erkennen? Gratuliere, besser spät als nie..

    Geschrieben von Roxxy | 18. Februar 2013, 19:47
  3. Oh wie schön…
    Ja, mit dem einen Leben, das wir alle haben, sollten wir möglichst gut und behutsam umgehen…
    ❤ ❤ ❤

    Geschrieben von Sonja Lindenbaum | 18. Februar 2013, 19:51
  4. Meine Rede, warum jemanden hassen den man mal geliebt hat? Hab ich meinem Mann Karneval auch beigebracht als ich mit seiner Ex gefeiert gesoffen und getanzt hab und die beiden anschließend einander “vorgestellt” ;) gar nichts verwerfliches dabei! Aber sehr schön geschrieben, harte Schale, weicher Kern <3

    Geschrieben von Melanie Habermann | 18. Februar 2013, 20:26
  5. Das gefällt mir :)

    Geschrieben von Bianca | 18. Februar 2013, 21:42
  6. Ich mag Deine Art zu schreiben. Bringt mich oft zum Nachdenken. So wie jetzt. Danke.

    Geschrieben von Elli McFly | 19. Februar 2013, 01:26
  7. Schön

    Geschrieben von jenny | 19. Februar 2013, 09:06
  8. “Sämtliche Schuld am Scheitern unserer Liebe wurde bei mir abgeladen, geliebt habe ich sie ihrer Meinung nach nie und ich sei eh der schlimmste Mensch auf dieser Welt.” – Exakt….

    Geschrieben von Mike | 19. Februar 2013, 09:49
  9. sehr schön..

    Geschrieben von Sabrina Wiesner-Peylo | 20. Februar 2013, 19:27
  10. Du beschreibst im Text anfänglich den Aspekt des Eros, und hast wie es aussieht nach dieser Begegnung Agape entdeckt, eine weitere, wahrscheinlich höhere Erscheinungsform der Liebe, was glaube ich ein wichtiger Schritt in deiner persönlichen Entwicklung ist. Du als Buddhist schreibst aber von nur einem Leben, dass hat mich verwundert? Richtig amüsant wird es allerdings, wenn man sogar ohne den Eros tollen Sex hat, und das nennt man dann Tantra. Aber auch ich hänge gerade noch dazwischen, zwischen Eros und, nennen wir es mal, bewusste Sexualität powerd by Agape. Daran ist bei mir auch ein bisschen meine Mutti “schuld”, wie auch meine ursprüngliche religiöse Prägung im real existierendem, protestantischen Christentum während der Kindheit. Und solche Dinge sitzen tief, und fest. Das sich der animalische Eros von Tantra daher sehr unterscheidet lässt mich derzeit auch noch etwas “vermissen”, doch ist das glaube ich nur ein vorübergehendes Gefühl, da ich in der “nächsten Stufe” noch nicht ganz “angekommen” bin. Das Geheimnis der Liebe und des Lebens offenbart sich auch mir immer nur so weit, wie man es verkraftet, und man es zulässt, aber vor allem auch erst dann, wenn man gelernt hat und sich zutraut mit der göttlichen Macht umgehen, die in jedem von uns steckt. Und ich bin immer noch brachial, vor allem, wenn ich mal unsicher oder ängstlich bin. Frag die Süsse doch einfach mal ob sie Lust hat, mit dir und deiner Freundin einen ausgesprochen lustigen Abend zu verbringen, Sex inklusive, und alles ganz ohne Drogen. Einfach nur machen, nicht denken, du wirst dich wundern.

    Geschrieben von Aca | 22. Februar 2013, 12:56

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