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Mixtape

Ansichten eines temporären Verlierers …

Ein Kumpel ist Reiki-Meister. Der erklärt mir gern mein Leben. Klingt oft beängstigend plausibel, doch ich denke dann immer: „Erkläre DU mir doch mal DEIN Leben! Wo du doch so erleuchtet bist, wieso ist da niemand, den du liebst, der dich liebt? Wieso hast du keinen Job, der dich sowohl erfüllt, als auch ernährt?“
Ich behalte diese Gedanken für mich. Es steht mir nicht zu sein Leben zu hinterfragen, wir sind nicht gut befreundet.

Dazu kommt: Gerade ich sollte diesbezüglich die Schnauze halten.
Warum? Ganz einfach. Mein brillanter Kollege Götz Schrage schrieb in seinem Buch Der Schwärmer „Von Frauen verstehe ich definitiv am Wenigsten. Keinen Fehler lasse ich aus, ich glaube, ich habe sogar neue erfunden.“
Satz zwei kaufe ich ihm ab. Aber im ersten kokettiert er mächtig. Koketterie ist meine Sache nicht, deshalb sage ich es frei heraus: Von Frauen verstehe ich definitiv am Meisten!
 
Nur: Was bringt mir das? Aktuell? Wieso häng ich bei Facebook ab? Warum sitze ich bei dem schönen Wetter da draußen nicht mit meiner Herzensdame und einem Glas Wein in einem Tretboot und erkunde die Spree, die ich kaum kenne, obwohl ich jetzt schon drei Jahre in Berlin lebe? Wieso schreibe ich nicht wenigstens an meinem Roman, den ich in zwei Wochen abgeben muss?
Die Antwort steht im zweiten Schrage-Satz: „Keinen Fehler lasse ich aus, ich glaube, ich habe sogar neue erfunden.“
Es reicht nicht, nichts zu wissen, man muss auch unfähig sein, es umzusetzen. (Hoffe, dieser Satz wird ohne Zwinkersmiley verstanden.)

Wir sind also alle gleich, Freunde. Mir geht es nicht anders als Euch. Ich loose genauso. Wenn nicht sogar mehr. Ja, mehr, ich finde ich loose sogar mehr. Ihr könnt Euch nach einem Fehler auf Eure Unwissenheit berufen. Das kann ich nicht. Im Gegenteil: Ich frage mich in solchen Situationen: „Wieso zur Hölle hast du das getan? Du weißt es doch besser!“
 
Forever alone? Nein. Wird schon.  

Berlin-Kreuzberg / April 2012

Diskussionen

20 Antworten zu “Ansichten eines temporären Verlierers …”

  1. Ach Oliver, wer ist schon ohne Fehler!

    Jeder Mensch ist auf seine Art liebenswert und einzigartig, hat normale oder auch außergewöhnliche Fähigkeiten. Manch einer ist sehr empathisch (dazu zähle ich mich) und manche sind eben ein grober, nichts spürender Klotz…
    Alles hat Vor- und Nachteile…
    Schönen Abend noch, Oliver :D

    Geschrieben von Sonja Lindenbaum | 13. Februar 2013, 19:43
  2. Sehr,sehr schön…Macht dich sehr menschlich ;)

    Geschrieben von Mischi | 13. Februar 2013, 21:04
  3. Sind wir nicht alle temporäre Verlierer? Aber wenn wir das nur temporär sind, dann sind wir auch alle temporäre Gewinner. So ist das Leben einfach, mal verlierst du, mal gewinnst du. Und wenn du es ganz genau nimmst, dann gewinnst du eigentlich immer, manchmal eben auch Einsichten oder an Erfahrung ;)
    Stell dir mal vor, wie langweilig das Leben wäre, wenn alles immer glatt verlaufen würde. In diesem Sinne, wo ist der nächste Stolperstein?

    Geschrieben von einfachanke | 13. Februar 2013, 21:16
  4. Ich hab ne große Portion Mißtrauen bei Menschen, die mir mein Leben erklären können. Bis jetzt hat noch nichts davon funktioniert. Das ist nicht schlimm, ich machs lieber auf meine Art. Aber diese Menschen selbst, ich behalte mir da immer eine Mauer Vorsicht vor. Ich trau der Sache nicht.

    Geschrieben von Monika | 13. Februar 2013, 21:21
  5. love it, das ist es, wir SIND, wir leben, wir verlieren, gewinnen und wir lieben, wir machen Fehler und lernen, wir wissen nix und doch so Einiges……DU bist einzigartig ! http://www.youtube.com/watch?v=lxOpR_sCo0k

    Geschrieben von nadjasgedankenalbum | 14. Februar 2013, 15:46
  6. meine Guete.. Du bist aber grad nicht s gut drauf.. ist dies nur ein repost vom letzten April oder actually ein remake?

    Geschrieben von Fräulein Bloehm | 15. Februar 2013, 17:05
  7. ich lese deine FB-Seite selten, da ich doch eher zart besaitet bin…aber seltsam, ich dachte nie, dass ich das mal schreiben würde, aber du wirst mir immer sympathischer…Bist du sicher, du willst überhaupt eine längere Beziehung, vielleicht machst du ja unbewusst alles wieder kaputt……Und was ein Looser ist, ist Ansichtssache…

    Geschrieben von ClaudiaLostInFrance | 18. Februar 2013, 10:09
  8. Wenn ich vorher schon wußte, daß ich hinterher weiß, daß ich es vorher schon wußte,
    lache ich mich dermaßen schrott über mich selber, als hätte ich es tatsächlich besser wissen müssen.

    Wir können uns nicht alle und nicht immer auf unsere Unwissenheit berufen!
    Trau Deinen Lesern ruhig mehr zu,
    in dem Fall die absolute Unfähigkeit ;)

    Geschrieben von Bianca | 18. Februar 2013, 21:53
  9. Ach noch was:
    Looser sind die, die nicht mal Fehler machen.

    Geschrieben von Bianca | 19. Februar 2013, 13:56
  10. Wenn ich hier plus minus 0 herauskomme, dann bin ich schon sehr zufrieden. Mein Konto ist ja schon auf Null.

    Aber mal im ernst. Verlierer sind doch nur deshalb Verlierer, weil sie es sich leisten können.

    Aber nein, was rede ich denn da. Ein Verlierer zu sein ist doch auch nur eine Vorstellung, und damit Māyā, wie alles andere auch.

    Ach, was wäre ich gerne der strahlende Held, dem alles gelingt, und der immer und überall von jedermann und jeder Frau geliebt und geachtet wird, und in dessen Sonne sich alle wohlig und warm, zufrieden und geliebt wie kleine, gut gelaunte Babys räkeln. Keine Sorgen, keine Zweifel, keine Ängste, und immer die passende Antwort oder ein aufmunterndes Lächeln für jeden auf den Lippen, ja, dass wär’ schon was.

    Aber ihr könnt mich auch alle mal am Arsch lecken. Denn einer muss ja die Drecksarbeit des schwarzen Peters machen, und ihr habt ja nicht die Eier dazu, ihr kleinkarierten Hosenscheisser.

    So, dass müsste eigentlich als Antwort genügen.

    Geschrieben von tacatacataca | 22. Februar 2013, 01:38
  11. Im Grunde genommen verlieren wir in jedem Moment etwas. Im dem Augenblick, in dem wir gezeugt werden. Dann, wenn wir Geboren werden. Als nächstes, wenn wir vom Baby zum Kind werden, vom Kind zum Pubertierendem, beim Erwachsen werden, bei einer Abtreibung, beim Eltern werden, bei einem Seitensprung, bei einer Scheidung, in der Lebensmittekrise (ja, auch bei einer Lebensmittelkrise ;) ) und so weiter. Was wir aber gerne vergessen ist, dass wir auch bei jedem Verlust etwas gewinnen, und zwar immer. Selbst beim vermeintlichen Verlust aller Verluste, dem unseres Lebens liegt ein Gewinn, der grösste vielleicht überhaupt. Es lohnt sich, immer wenn wir glauben etwas verloren zu haben oder zu verlieren darüber nachzudenken, was wir dadurch gewinnen. Genauso wie es ratsam ist darüber nachzudenken, was wir eventuell verlieren, wenn es vermeintlich etwas zu gewinnen gibt.

    Als ich mich vor etwas über einem Jahr verliebt habe, war das so intensiv und teilweise so wesensverändernd, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Als mir irgendwann klar wurde, dass die ganze Sache sich nicht so entwickeln würde wie von mir erhofft, war der Schmerz und die Enttäuschung entsprechend gross. Doch jetzt, ganz langsam beginne ich zu begreifen, dass ich dadurch auch etwas gewonnen habe, gerade eben wegen einem grossen Verlust. Denn Ent-täuschung bedeutet nichts anderes, als das man eine Täuschung verloren hat. Doch diese Ent-täuschung ging diesmal tiefer, war fundamentaler als die zuvor. Während ich mich früher immer von einem anderen ent-täuscht gefühlt habe, es also auf die Person bezogen und von der Person abhängig gemacht habe, sehe ich jetzt den Fehler endlich bei mir selbst. Ich selbst habe etwas im Aussen gesucht, in anderen oder in einem Menschen, was ich mir nur selbst geben kann. In dem Moment aber, in dem ich es mir selbst gebe, suche ich es nicht mehr im Aussen, dann hat die Suche (und auch die Sucht) ein Ende, dann bin ich sogar in der Lage, es zu verschenken, tausendfach. Ich steh dann mittendrin, in der Liebe, und strahle so hell wie die Sonne. Dann sehe ich die Schönheit eines jeden Menschen, auch wenn er mal traurig oder schlecht gelaunt ist, zu jedem Augenblick. Auch bei denen, die mich verachten oder ablehnen, fürchten oder bekämpfen, aus was für Gründen auch immer. Denn es ist ihre Verachtung, und nicht meine, es sind ihre Vorurteile, und nicht die meinen, ihre Ängste, nicht meine, ihr Hochmut, nicht meiner, ihre Unsicherheit, und nicht meine, ihre Lieblosigkeit, und nicht meine. Niemand auf der Welt ist vollkommen, und trotzdem sollte sich jeder selbst und auch die anderen lieben, so als wäre er es, wären wir es. Es! Vollkommen.

    Geschrieben von Aca | 25. Februar 2013, 13:23
  12. Huch. Dankeschön. Wer sie wohl ist? Freu. :)

    Geschrieben von Aca | 8. April 2013, 14:15

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