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Mixtape

Ich habe die Zauberformel der ewigen Liebe entdeckt …

Würde ich nicht wie einst Beach-Boy Brian Wilson seit einer Woche im Bett vor mich hin vegetieren, wäre mir heute Folgendes passiert: Ich hätte die ersten Sonnenstrahlen für einen Spaziergang …, ach, nee, lieber für eine Walking-Runde, Spazieren gehen ist ja eher etwas für glücklich Verliebte und Pensionäre.

Ich dagegen bin ja bekanntlich blutjung und … Sei’s drum. Ich wäre also in meine Adidas (Modell „WM 1962“) geschlüpft und hätte ich mich auf eine Walking-Runde direkt an der Spree gleich hier nebenan im Treptower Park gemacht. Auf der Hälfte der Strecke wäre mir ein Pärchen aufgefallen, das Hand in Hand auf einer Bank gesessen hätte …Ich blieb stehen und lauschte, was er ihr erzählte, als er mit dem Finger auf ein vorbeifahrendes Schiff zeigte.
„Da schau, Ruthchen, auf genau so einem Dampfer hat mich Mutter im Sommer ’43 mitgenommen. Das war herrlich, das kann ich dir sagen!“
Sie drückte seine Hand noch ein wenig fester und sie lächelten.„WOW, genau SO will ich mit Mitte Achtzig auch auf einer Parkbank sitzen! Wie haben die beiden das nur geschafft? Ich muss hinter ihr Geheimnis kommen!“, dachte ich.
Ich ging also auf das Pärchen zu und sagte: „Entschuldigen Sie, dass ich störe, aber ich muss ihnen unbedingt eine Frage stellen. Nur wenn Sie erlauben, selbstverständlich.“„Fragen Sie, junger Mann, fragen Sie, wir haben Zeit.“, sagte die reizende Dame, die voller kecker Runzeln in Würde gealtert war und ein wenig aufdringlich nach Chanel No 5 roch.      „Das ist sehr nett von Ihnen, Sie müssen wissen, mir ist diese Frage außerordentlich wichtig, es geht um mein Leben, verstehen Sie?“„Na, nun schieß schon los, mein Junge!“, sagte der Herr mit der Prinz Heinrich-Mütze.

„Okay, also: Worin liegt ihr Geheimnis? Worin liegt das Geheimnis der ewigen Liebe?“

Plötzlich begannen die beiden lauthals zu lachen. Lachten die mich etwa aus?

„Ähm …“

„Entschuldigen Sie junger Mann, aber das ist wahrlich lustig! Ewige Liebe?! Da wissen wir nicht Bescheid. Wir kennen ja uns erst seit letzter Woche! Wir haben uns auf einem so genannten sozialen Netzwerk mit dem Namen Facebook kennen gelernt.“

Ihr glaubt auch jeden Scheiß, nich’? Nee, das haben sie natürlich nicht gesagt.
Es war sie, die lächelnd sagte: „Ach, wissen Sie, junger Mann, das ist eigentlich ganz einfach. Wir stammen aus einer Zeit, in der man Dinge die kaputt gingen nicht achtlos weg warf, sondern reparierte, verstehen Sie?“

Ja, ich verstand. Und mehr, all ihr Menschen da draußen, brauche ich über ewige Liebe nicht zu wissen … 

Berlin-Treptow / April 2011

Diskussionen

15 Antworten zu “Ich habe die Zauberformel der ewigen Liebe entdeckt …”


  1. Nee, was ist das schööön…
    Tja, damals war alles anders! Da war man nicht einfach Single…da hatte man einfach einen Ehemann und viele Kinder…und fügte sich seinem Schicksal, wenn’s mal nicht so lief wie erhofft… ;-)

    Geschrieben von Sonja Lindenbaum | 29. Dezember 2012, 22:26
  2. Damit ist in der Tat alles gesagt. Es werden nicht nur Dinge konsumiert, sondern auch Menschen. Es wird nicht mehr GEnutzt sondern BEnutzt, materiell UND ideell. Wir sollten zur Besinnung kommen.

    Geschrieben von emmape | 29. Dezember 2012, 22:31
  3. Hey, gut Oli, klasse Geschichte. Aber selbst die erste Variante ist nicht undenkbar, und hätte mich begeistert. Aber das mit dem Reparieren ist so eine Sache. Ich versuch das auch ununterbrochen, aber bei anderen. Nicht nur reparieren, sondern oft auch erstmal grundsätzlich ins Gleichgewicht zu bringen, doch das muss jeder für sich selbst wollen und machen. Seit meinem Erwachen sehe ich das immer deutlicher, dass ich eigentlich nur an mir selbst arbeiten darf und kann, selbst wenn ich die Wunden anderer immer sehr schnell erkenne und deutlich sehe. Das ist unglaublich schmerzhaft für mich, dass auszuhalten und nichts zu tun, tun zu dürfen und tun zu können. Doch das lerne ich gerade, diese, meine Ohnmacht auszuhalten, aber es treibt mir immer noch regelmässig die Tränen in die Augen.

    Geschrieben von tacatacataca | 30. Dezember 2012, 01:35
    • Ich arbeite im Rettungsdienst und bei uns gibt es da einen Spruch: “Du kannst sie nicht alle retten!”. UNd genau das habe ich für mich auch ins zivile Leben übernommen… Vllt hilfts dir ja auch? Denn ich war bzw. bin dir da ähnlich.

      Geschrieben von Nevrmind | 30. Dezember 2012, 07:27
      • ich seh das genau wie Nevrmind (kenne leider deinen richtigen namen nicht) ich bin auch aus einem Beruf mensch für mensch und man kann versuchen bis zur Selbstaufgabe anderen versuchen zu helfen oder sein bestes tun, aber muss aktzeptieren das man nicht die ganze Welt retten kann, viele möchten auch nicht gerettet werden, nicht mal das man ihnen eine Brücke baut auf der sie ohne nasse Füsse den Fluss überwinden können, sie wollen ins kalte Nass, sie wollen das ihnen das Wasser zu den Schuhen reinläuft, ihre Strümpfe durchtränkt und das fortbewegen erschwert…. Und es ist in Ordnung so, es ist ok, wenn man sich selbst retten will, sich selbst befreien, den dann ist es sein eigenes geschaffenes, nichts geschenktes oder aufgedrängtes, sondern selbst erreichtes, mit den eigenen Willen um Erhalt der Liebe kämpfend…. Ich bin auch so, ich wll keine Ratschläge, ich will keine Tipps, oder Lebensweisen anderer, ich will selbst Lieben und somit alles eigenmächtig durchleben was damit zu tun hat

        Geschrieben von linda | 30. Dezember 2012, 11:26
      • Frauen retten ist bei mir Gott sei Dank Geschichte, ist wenn nur noch ein Hobby, und nicht mehr Lebensaufgabe:

        http://mann-sein.ch/2010/02/22/folge-15-peter-schroeter-die-kraft-des-phallischen-mannes/

        http://www.tantra.de/657/maennliche-abhaengigkeit-in-liebesbeziehungen/

        http://mannwerdung.wordpress.com/category/emotionaler-missbrauch/

        Aber es berührt mich, dass du dir wegen mir und für mich Gedanken machst. :)

        Geschrieben von Aca | 30. Dezember 2012, 11:53
      • Um die Liebe kann man nicht kämpfen, Linda. Sie ist ein Geschenk, was man sich selbst und anderen macht.

        Geschrieben von tacatacataca | 30. Dezember 2012, 11:57
      • das seh ich anders, man nur um die EIGENE Liebe kämpfen! ;)

        Geschrieben von linda | 30. Dezember 2012, 12:12
  4. vergiß es nicht – wenn die alte liebe kaputt ist – glänzt eine neue viel schöner – kein mensch stopft heute mehr strümpfe

    Geschrieben von Monika | 30. Dezember 2012, 07:27
    • Es passt zu der aktuellen Zeit, dass man lieber dem schönen Schein hinterher jagt, anstatt mühsam die Dinge zu hinterfragen und als Illusion und Selbsttäuschung zu entlarven. Geldscheine, virtuelle Scheinwelten, mehr Scheinen als Sein.

      Geschrieben von tacatacataca | 30. Dezember 2012, 12:25
  5. Leider schon oft auf FB gelesen das mit dem kaputt und umtausch ist schon etwas älter :)

    Geschrieben von Pandora Mini | 30. Dezember 2012, 10:06
  6. das ist so wunderschön <3
    ich glaube das problem liegt oft aber auch darin dass einer etwas reparieren will das der andere bereits ersetzen will.
    mich packt immer mal die hoffnung auch wenn ich alt bin an der seite eines menschen leben zu können der mein leben begleitet hat, aber dann holt mich die realität der heutigen gesellschaft doch immer wieder ein.

    ich habe unter meinen kunden auch ein paar dass dieses jahr 65. hochzeitstag feierte und ich konnte auch nicht anders als zu fragen und dann blickt mir diese süsse dame ende 80 in die augen und meint: "wir haben getrennte schlafzimmer, kindchen, das macht vieles einfacher. aber man kann sich ja besuchen" und dann wird sie leicht rot und zwinkert mir mit einem wissenden lächeln zu.
    die beiden sind gleich gross, gleich breit und wackeln im selben takt wenn sie händchen haltend die strasse entlang gehen und wenn man sie beobachtet weiss man, es ist nicht nur die gewohnheit: die beiden lieben sich

    Geschrieben von Inked Peach | 30. Dezember 2012, 10:18
  7. Schöne Geschichte. Aber immer nur reparieren, macht auf Dauer sicherlich auch nicht glücklich. Allerdings gebe ich dir recht, dass die Liebe und unser heutiges Leben sehr schnelllebig ist. Ein guter Kompromiss wäre vielleicht nicht schlecht. Nicht sofort aufgeben, wenn etwas nicht gut läuft und loslassen, was nicht mehr zu retten ist. Was meinst du?

    Geschrieben von Holly Wood | 31. Dezember 2012, 14:40
  8. Ist ja nicht so, dass ich es nicht schon immer vermutet habe, aber nun bin ich doch echt neidisch… :( Das heißt wir sind alle nun hoffnungslos verloren?

    Geschrieben von waldmonster | 3. Januar 2013, 14:30
  9. Aber nicht doch. Verloren zu sein ist doch auch nur eine Vorstellung, ein Bildnis, ein Trugbild der vermeintlichen Wirklichkeit, welches wir uns selbst machen. Aber solange wir diese Bilder nicht als weitere Illusion unserer eigenen Imagination entlarven, als Selbsttäuschung, wirken sie unglaublich echt und manche auch überaus bedrohlich. Möchte es dir aber auch nicht nehmen, da es ja vielleicht für dich einen wichtigen Grund gibt, es aufrecht zu erhalten, zum Beispiel aus Selbstschutz als Folge schlechter Erfahrungen mit was oder wem auch immer.

    Geschrieben von tacatacataca | 3. Januar 2013, 17:00

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