Ich danke Euch für die vielen Geschichten (na ja, so viele waren es gar nicht), die Ihr eingereicht habt, Freunde! Ich habe mich für eine kleine Story aus Leipzig entschieden, die mich sehr berührt hat. Vielleicht auch, weil mir vieles aus der Geschichte so bekannt vorkommt.
Ich danke Luise, der 25-jährigen Doktorandin, die, wenn alles in ihrem Sinne läuft, irgendwann Krebs heilen und die Welt verbessern wird, die elektronische Musik liebt und Frankreich und tanzen unter blauem Himmel, dass sie ein Stück ihres Lebens mit uns teilt.
Es war nicht ganz einfach, sie davon zu überzeugen, die Geschichte unter ihrem richtigen Namen zu schreiben. Ich freue mich, dass es mir gelang. Sonst hätte ich sie nämlich nicht veröffentlicht.
Das wahre Leben spielt hier.
Das Ideal
Ich hatte dich oft beobachtet. Auf privaten Partys, in Klubs. Immer dann, wenn mein Freund unaufmerksam war, riskierte ich einen Blick. Bewunderte still deine Schönheit.
Jahre später – meine Beziehung war vorbei und ich versank immer tiefer in einem dunklen Strudel aus Verletzung und Selbstmitleid, stands du plötzlich neben mir. Einfach so. Es war auf dieser Party in diesem Klub, du erinnerst dich bestimmt. Wir unterhielten uns nicht, das brauchten wir auch nicht, wir verstanden uns von der ersten Sekunde an wortlos.
Wir tanzten, wir knutschten und als es schon wieder hell wurde, wankten wir zu dir. Es fühlte sich so gut an, so verboten, du hattest eine Freundin. Das wusste ich anfangs nicht. Doch zerstörte Egos kennen kein Mitgefühl und du streicheltest meines so gut, dass wir uns wieder sahen. Du schmecktest nach mehr und ich genoss es. Dich. Uns.
Irgendwann fand sie es heraus. Las versaute SMS, die wir uns manchmal schickten. Plötzlich fiel dir ein, dass du sie liebst, sie nicht verlieren wolltest – nun, wo die gewohnte Sicherheit auf Kippe stand. Mir war es egal, ich wusste, du würdest dich wieder melden.
Es dauerte sechs Wochen. Du hättest alles geklärt, die Beziehung gerettet, doch ich würde dir fehlen. Wir ließen uns noch einmal aufleben. Trafen uns heimlich. Doch der bittere Geschmack des Betruges nagte nun doch an uns. Die anfängliche Unbeschwertheit, die unseren Reiz ausmachte, verschwand.
Ich beendete uns. Das schlechte Gewissen, weißt du? Eine Weile war es still. Und doch bemerkten wir, über die Körper hinaus, dass da mehr war. Etwas, das uns verband und uns nicht voneinander loskommen ließ. Wir hielten Kontakt. Erzählten uns alles. Kotzen uns aus. Und manchmal auch an.
Wir hatten nie wieder Sex und waren uns trotzdem näher als in unseren heißesten Nächten. Du warst so unglücklich in deiner Beziehung, weil sie deine himmelhohen Erwartungen nicht erfüllte – wie konnte sie auch, wo du noch nicht einmal selbst wusstest, was genau dir fehlte.
Es betrübte mich zu sehen, wie du dein, und auch ihr, Leben mit einer unglücklichen Beziehung vergeudetest. Ich drängte auf Veränderung. Doch du stagniertest in deiner kleinen Welt.
Als du mir eines Tages vorwarfst, ich würde meine Zeit verschwenden, nur weil ich mir nach dem Studium ein paar Monate Ruhe gönnen wollte, entbrannte in mir eine unbändige Wut. Sie traf dich, weil du es wagtest, anderer Menschen Leben zu kritisieren – du!
Kurzerhand beendete ich uns. Schon wieder. Mit dem Unterschied, dass es diesmal wehtat – so richtig. Viel mehr als ich je gedacht hätte.
Heute kam ein Paket mit der Post. Von dir. Ein Buch. Kurt Tucholsky – Gedichte in einem Band. Das Ideal ist markiert. Und handschriftlich steht daneben, dass du sie verlassen hast. Nicht für mich. Aber meinetwegen. Und dass du mir dafür dankst …
Nachtrag von mir, Luise: Sei froh, dass Du diesen Spießer los bist! Eine viermonatige Weltreise als verschwendete Zeit zu bezeichnen, geht ja wohl mal gar nicht klar. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Ansonsten: Schöner Text! Gern mehr.


Typen gibt’s, die will man nicht mal geschenkt…oh, Luise, rette lieber die Welt als Tucholsky-zitierende Idioden. Vielleicht widmest Du ihm diese Zeilen…als Theobald Luisa Tiger…
Geschrieben von Karla | 24. Dezember 2012, 13:35Bin bei Dir. NUR: NIX gegen Kurt!
Geschrieben von Oliver Flesch | 24. Dezember 2012, 17:51hab nix gegen kurt, der seine komische seite als theobald tiger auslebte
und sich sicher gegen diesen missbrauch seiner zeilen gewehrt hätte
Geschrieben von karla | 24. Dezember 2012, 22:03Das bisschen was ich lese, schreibe ich mir selbst.
Kurt Tucholsky
Geschrieben von Oliver Flesch | 24. Dezember 2012, 22:29Kurz aber ehrlich und auf den Punkt gebracht. Vielen Dank für diese Geschichte. Bewegt sehr, wenn man sich wiederfindet.
Die letzten beiden Absätze existieren bei mir nicht. Noch nicht. Mal sehen. Und jetzt sollte ich schleunigst die Klappe halten… :-/
Geschrieben von Zbigniew Bober | 24. Dezember 2012, 14:35Hmmm, nette Geschichte, hätte aber was bombastischeres erwartet
Mehr Sex, mehr Drogen!
Dachte eigentlich, die Deadline ist der 31. Dezember. Aber gut, hab ich mich verguckt.
Geschrieben von Rachel | 24. Dezember 2012, 14:54Ganz starke Geschichte.
Hat mich sehr tief berührt, weil ich vor ein paar Monaten auf der anderen Seite stand. Hoffe ich werde hier auch im neuen Jahr so gute Texte lesen.
Liebe Grüße an die Autorin
Geschrieben von Benny | 26. Dezember 2012, 08:19dachte auch die Deadline wär der 31., aber wahrscheinlich rechnete Oli nicht mit besseren!
Geschrieben von linda | 24. Dezember 2012, 17:12Die Geschichte habe ich zweimal gelesen. Sie ist so tief.
Es gibt die lauten und die leisen Leute. Es gibt die Leute, die alles über die Liebe wissen, es zumindest glauben, und die, die sich einlassen, mehr oder weniger freiwillig.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Ganz gleich, wie sie ausgeht, sie wird ein gutes Ende haben, ob sie nun nochmal auflodert, dauerhaft wächst oder langsam versandet.
Geschrieben von Monika | 24. Dezember 2012, 17:37♥
Geschrieben von Oliver Flesch | 24. Dezember 2012, 17:38Kurz und knapp, und weil ich nicht mehr bei Facebook bin, gibts eben hier ein LIKE!
Geschrieben von Nevrmind | 24. Dezember 2012, 23:22Wie nicht mehr bei FB? Warum? Wie hießt Du da?
Geschrieben von Oliver Flesch | 24. Dezember 2012, 23:43Sebastian
Bin schon ein bissel über zwei Wochen wech.
Geschrieben von Nevrmind | 25. Dezember 2012, 12:04Eine Geschichte, die mich berührt. Gerade weil ich mich auch darin wiederfinde. Danke Luise.
Geschrieben von einfachanke | 25. Dezember 2012, 09:16♥ Vielen Dank für das großartige Feedback. Und auch an dieser Stelle noch mal ‘Danke, Oliver!’ ♥
Geschrieben von Luise (die Autorin) | 26. Dezember 2012, 15:16Ich danke DIR, meine Liebe.
Geschrieben von Oliver Flesch | 26. Dezember 2012, 15:29Ich bin so stolz auf dich, meine liebste Lu.
Geschrieben von Chriz McTwisp | 5. Januar 2013, 16:59