Ich träumte vor ein paar Nächten, dass ich meinen Lieblingsschriftsteller Marc Fischer traf. Wird ein Traum bleiben. Er stürzte sich im letzten Jahr aus einem Berliner Fenster. Wir kannten uns nur flüchtig, sowohl im wahren Leben, als auch in der Nacht, in der ich von ihm träumte.
In meinem Traum brachte er wie damals, 1996, als ich ihn kennen lernte, ein kleines, aber feines Magazin raus. Doch diesmal, und das war das Großartige an meinem Traum, wollte er mich als Co-Autoren an seiner Seite haben. Diese Aussicht beflügelte mich ungemein, wir warfen uns Ideen zu, und ziemlich schnell einigten wir uns auf das Schwerpunktthema „KZ“. Keine Ahnung, wie wir drauf kamen, auch die vielen Ideen, wie man das Thema aufbereiten könnte, habe ich vergessen. Bis auf eine. Deshalb heiße ich Euch nun willkommen im KZ der wahren Liebe …
Eigentlich war alles gut. Nicht sie machte Schluss (darauf komme ich grundsätzlich nicht klar), nicht ich machte Schluss (darauf kommt sie nicht klar), wir beiden meinten erkannt zu haben, dass unsere ewige On/Off-Beziehung keinen Sinn mehr ergeben würde. Nicht, dass wir uns nicht mehr geliebt hätten, wir liebten uns sogar sehr, aber ihr Misstrauen in meine Aufrichtigkeit raubte unserer Liebe ihre Kraft, ihre Magie.
Sogar unser Abschied war gut. Wir liebten uns noch einmal. Kurz zuvor stand sie hemmungslos weinend und am ganzen Körper zitternd vor mir. Ich bekam sie kaum beruhigt. Der Schmerz würde nie aufhören, meinte sie. Dabei gab es wieder einmal keinen Grund für ihren Schmerz. Keinen aktuellen zumindest. Sie dachte nur, ich hätte etwas getan, was sie, hätte ich es getan, sehr verletzt hätte. Aber wie gesagt, dem war nicht so und als ihr das bewusst wurde, verabschiedeten wir uns mit einem Kuss. Es war ihre Mittagspause, sie hatte eigentlich keine Zeit mehr, doch der Kuss wurde länger und länger, ich zog sie aus, sie zog mich aus und wir liebten uns in meinem vollgemüllten Wohnzimmer auf einer zerschlissenen Matratze. Es fühlte sich an, als würden wir direkt im Himmel miteinander schlafen.
Wir waren knapp zwei Jahre zusammen, es war unser erster Versöhnungsfick. Sie kam nach drei Stößen. Ich wiederhole diesen Satz für all die Frauen mit Orgasmusbehinderungen da draußen gern noch mal: Sie kam nach drei Stößen das erste Mal. Es war kein schnöder Fick, wir verschmolzen ineinander, wir wurden eins.
Während wir miteinander schliefen, sagte ich ihr, dass sie sexuell eh nie von mir loskommen würde, so wie ich nicht von ihr, dass wir es weiter miteinander treiben sollten, selbst wenn irgendwann neue Menschen in unser Leben treten würden. Diese Vorstellung erregte sie so sehr, ihr gesamter Körper zuckte, das tut er in diesen Momenten immer, er zuckt, er zuckt genau dreimal, ihre Pussy zog sich zusammen – sie kam abermals.
Bei keiner Frau in meinem Leben erlebte ich den Orgasmus so plastisch. Ich liebe es. Es ist die Belohnung für meine „Arbeit“.
Die Welt war ein guter Ort, an diesem rein äußerlich ganz normalen Dienstagnachmittag. Sie wusch sich das von Tränen und Schweiß verschmierte Make up aus dem Gesicht; machte einen Witz über die Sache, die sie zum Weinen brachte, eigentlich gar nicht ihre Art.
Ein Lächeln an der Tür, ein Kuss, wieder ein Lächeln. Sie ging bereits die Treppe runter, als ich rief: „Hey! Ich liebe dich …“ Noch ein Lächeln. Ein letztes.
Es roch nicht nach Abschied. Obwohl es einer war. Doch er tat nicht weh. Vielleicht weil ich tief drinnen hoffte, dass es kein wirklicher Abschied sein würde.
Einen Menschen, den man liebt, zu verlieren, ist die Beinamputation unter den seelischen Verletzungen. Da fehlt etwas. Du bist nicht mehr komplett. Du bist behindert. Die Leichtigkeit mit der Du früher durch die Welt gingst, kommt dir irgendwo zwischen dem letzten Fick und der Gewissheit, dass der letzte Fick, DER letzte Fick war, abhanden.
Was das alles mit dem KZ der wahren Liebe zu tun hat? Ganz einfach: Ich konnte mich nicht verteidigen, es gab keinen Prozess, ich wurde von einen Tag auf den anderen Tag für unbestimmte Zeit eingekerkert. Sie lässt mich nicht frei. Sinnbildlich. Sie selbst schon, habe seit unserem letzten Mal vor drei Wochen nichts mehr von ihr gehört. Aber meine Liebe zu ihr, die lässt mich nicht los. So bin ich. Liebe ich, liebe ich bis ich mich neu verliebe.
Andere können die Zeit zwischen ihren Beziehungen genießen. Das ist mir nicht gegeben. Gibt nichts, was ich nun tun kann, was ich nicht auch vorher hätte tun können. Sicher, ich kann wieder flirten, mich mit Frauen treffen, aber wenn das Herz nicht frei ist, gibt es prickelnderes. Für die Damen. Für mich. Haut mich die Frau, die ich treffe, nicht vollkommen um, besteht das Date hauptsächlich aus der Frage: Was mache ich überhaupt hier?
Was ist die Alternative? Warten? Worauf? Wie gesagt, meine Liebe vergeht nicht einfach so. Es gibt keinen Ausweg. Eine Flucht ist unmöglich. Willkommen im KZ der wahren Liebe …

Hauptsache ist das man lieben kann und weiss wie es sich anfühlt
Geschrieben von danielag82 | 31. August 2012, 19:26“…wir verschmolzen ineinander, wir wurden eins…” allein der Satz reicht mir schon, ich liebe dieses Gefühl.
Geschrieben von nadjasgedankenalbum | 31. August 2012, 19:33
Geschrieben von nadjasgedankenalbum | 31. August 2012, 20:08Aaah Hilfe, lösch es, sorry, ich wusste nicht, dass das sooo gross gezeigt wird, wollte nur den Link senden, musste an das Lied denken, weiss auch nicht warum…
Geschrieben von nadjasgedankenalbum | 31. August 2012, 20:10Wie schön und wie traurig.
Geschrieben von Bianca | 31. August 2012, 21:07class.
Geschrieben von Man Hill | 1. September 2012, 01:05HAMMER!!!
Bin platt!
Geschrieben von Ralph | 1. September 2012, 09:47“Es roch nicht nach Abschied. Obwohl es einer war. Doch er tat nicht weh. Vielleicht weil ich tief drinnen hoffte, dass es kein wirklicher Abschied sein würde….”
sehr schön!
Geschrieben von Alin | 1. September 2012, 15:20Chapeau!
Geschrieben von waldmonster | 1. September 2012, 19:59Erster Artikel, den ich von Dir lese… ich glaube die Seite wird gleich mal unter den Favoriten gespeichert!
Geschrieben von conner | 5. September 2012, 21:09Das freut mich!
Geschrieben von Oliver Flesch | 7. September 2012, 12:48Und wieder mal ist es als würde man es selbst erleben.. Herrlich
!
Geschrieben von Sperli | 11. Oktober 2012, 15:24
Geschrieben von Aca | 12. Oktober 2012, 18:41liebevoll, dramatisch und so authentisch
Geschrieben von Joe Silence | 17. Januar 2013, 09:52♥
Geschrieben von Oliver Flesch | 17. Januar 2013, 09:58♥… ohne Worte…
Geschrieben von Susan Müller | 25. April 2013, 14:00♥♥♥
Geschrieben von Oliver Flesch | 25. April 2013, 14:04