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Frauen, Liebe, Männer

Das wahre Märchen von meinem High Heel-Mädchen …

Mein High Heel-Mädchen war stets auf hohen Hacken unterwegs. Ob zu Fuß, auf ihrem Rennrad, ihrem Roller, immer. Sie zog sie nur im Bett aus. Was gut war. So konnte ich besser an ihren Zehen lutschen …

Gestern stolperte ich in meinem Archiv über einen Text, von dem ich nicht weiß, ob ich ihn seinerzeit veröffentlichte. Wenn überhaupt erschien er auf meiner vorvorletzten Facebook-Seite „Böser Junge“. Er ist – erschreckenderweise – noch immer halbwegs aktuell. Die Geschichte ist aus dem letzten Sommer und sie zog sich bis vor ein paar Wochen hin. Viel zu lang, wenn man bedenkt, dass sie, bei Licht betrachtet, damals schon am Ende war. Aber lest selbst …  

Gestern postete ich Folgendes: „Die Liebe ist schon ein verrücktes Luder! Als ich scheiße war, ging’s mir gut. Seitdem ich lieb bin, geht’s mir beschissen!
Vielleicht sollte ich mich wieder auf meine eigentliche Stärke besinnen … ;-)
Habt Dank für Eure rege Teilnahme. Einige haben mich missverstanden, deshalb habe ich Euch zum besseren Verständnis ein wahres Märchen geschrieben …

Es war die uralte Geschichte: Junge trifft Mädchen. Junge verliebt sich in das Mädchen. Mädchen verliebt sich in den Jungen. Ach, nee, so war’s ja gar nicht. Es lief nicht ganz so märchenhaft. Der Junge verliebte sich nicht wirklich in das Mädchen. Nur so ein wenig; viel zu wenig, um dem Mädchen ein guter Freund zu sein. Wäre der Junge ein Mann gewesen, hätte er es beendet. Doch das tat er nicht. Vielleicht weil er hoffte, dass es ihn doch noch erwischen würde, denn er mochte das Mädchen, er mochte es wirklich; vielleicht aus Bequemlichkeit, er kann es sich heute selbst nicht mehr erklären. Stattdessen nahm er sein altes Leben wieder auf, traf sich mit anderen Frauen. Auch so eine Sache, die er sich heute nicht mehr erklären kann. Schließlich wohnte der körperlichen Liebe, die er mit diesem Mädchen erleben durfte, ein Zauber inne, der seinesgleichen suchte.
 
Eines Tages ließ der Junge sein Tagebuch offen rumliegen. Das Mädchen spürte, dass der Junge sie hintergang, was fehlte, war die Gewissheit. Die fand sie nun in seinem Tagebuch.
Das Mädchen weinte nächtelang. Doch es schwieg. Es schlief weiterhin mit dem Jungen, auch in Momenten, in denen sie genau wusste, dass er gerade (ohne sich zu säubern) von einer anderen kam.
 
Irgendwann nahm es all ihre Kraft zusammen und beendete den Spuk. Und nun passierte etwas Merkwürdiges: Plötzlich glaubte der Junge, das Mädchen zu lieben. Nein, es war mehr als ein Glaube, er war sich dessen sicher. Er hatte keine Ahnung, wo die Liebe auf einmal herkam, verletzter Stolz allein kann es nicht gewesen sein, dafür wollte er sie nun zu sehr, dafür spürte er seine Liebe zu intensiv. Sie hatte ihm inzwischen „gestanden“, was sie in seinem Tagebuch las. Dass sie trotz alledem noch Wochen bei ihm blieb, könnte – so erklärte er es sich sich später – der Liebesbeweis gewesen sein, der ihm fehlte, um sich mit ganzem Herzen auf sie einzulassen.

Wieder einmal stellte er sich alles so einfach vor. Wäre ich an ihrer Stelle, würde ich jetzt glücklich sein, dachte er. Schließlich liebte er sie nun und das war es doch, was sie wollte. Hach, wenn es nur so einfach wäre. Sie glaubte ihm nicht. Sie glaubte ihm überhaupt nichts mehr. Dabei kämpfte er tapfer. Versuchte sie von seiner Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit zu überzeugen. Es war nicht einfach, es war sogar sehr schwer. Sie behandelte ihn schlecht. Respekt- und Rücksichtslos. Nicht ganz so Respekt- und Rücksichtslos, wie er sie in ihren frühen Tagen behandelte, aber es reichte.

Der Junge war nicht mehr bereit für sein Fehlverhalten aus Zeiten, in denen er sie noch nicht liebte, bis zum Sankt Nimmerleinstag zu büßen. Sie war nicht bereit einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen. Oder es zumindest zu versuchen. (Nur im Bett konnte sie es. Im Bett konnte sie sogar wieder sagen: „Ich liebe dich!“) Daraus konnte der Junge ihr noch nicht mal einen Vorwurf machen. Sie war ein zutiefst misstrauischer Mensch. Wie so viele Mädchen, die in ihrem Leben zu wenig Liebe abbekamen.
Sie war in diesen Dingen nicht sonderlich erfahren, sie wusste nicht, dass es Zeit braucht, um Vertrauen wieder aufzubauen. Ihr fehlte die Geduld, ihr fehlte der Mut und letztendlich wohl auch der unbedingte Wille, es noch einmal wirklich zu versuchen.
 
Der Junge machte ihr keinen Vorwurf. Natürlich nicht. Es trug die Schuld, ganz ohne Zweifel.
Er schrieb ihr heute einen Abschiedsbrief. Nicht, dass sie es nicht längst beendet hätte. Er schrieb den Abschiedsbrief eher für sich. Um es für sich zu beenden. Etwas, was er nie zuvor tat, übrigens. Nie zuvor schrieb er einen Abschiedsbrief an ein Mädchen, das er noch liebte und von dem er sicher war, dass sie ihn auch noch liebte. Denn das tut sie. Was das Ganze nur noch bitterer erscheinen lässt.
In solchen Fällen zitiere ich gern einen deutschen Liedermacher mit Brille: „Liebe gibt es nicht im Sommerschlussverkauf.“
Eine Liebe, die eine Zukunft hätte, würde man sie nur zulassen, aufzugeben, ist in den Augen des Jungen eine Sünde.
Eine, die so gar keinen Spaß macht.

Nachtrag / Ende Juli 2012
Eben klackerten High Heels im Hof. Passiert oft, hier wohnen viele Frauen mit Stil. Eigentlich weiß ich, dass es nicht das Mädchen sein kann, es hat keinen Schlüssel für die Außentür. Aber wer weiß, vielleicht stand die Tür gerade offen? Vielleicht klopft es gleich?
… Nein, kein Klopfen. Natürlich nicht. Doch solange ich noch ein Stechen im Magen verspüre, sobald hochhackige Schuhe im Stechschritt (High Heel-Trägerinnen scheinen es stets eilig zu haben) über meinen Hof marschieren, wird meine Liebe nicht erloschen sein.      

Diskussionen

10 Antworten zu “Das wahre Märchen von meinem High Heel-Mädchen …”

  1. Zeit um das Vertrauen (wieder) aufzubauen. Das geht tatsächlich. Ich merke grade, dass ich mich nur sehr langsam auf Liebe einlassen und wirklich vertrauen kann. Da ist mein Körper wesentlich schneller. Der Mann, der das versteht und mir diese Zeit gibt….

    DU hast echt ne Menge Baustellen in deinem Herzen offen :-*

    Geschrieben von MizzLizz | 27. August 2012, 09:11
  2. seufz……………

    Geschrieben von nadjasgedankenalbum | 27. August 2012, 11:12
  3. Oh Mann,
    das ist hart.
    Schön geschrieben, echt tolles Foto

    Geschrieben von Bianca | 27. August 2012, 12:30
  4. Auseinandergehen, obwohl sich beide noch lieben, ist echt das härteste. Bei mir war es leider auch notwendig. Aber, oh Gott, wie das schmerzt… Schöner Text!

    Geschrieben von rocknrollcat | 27. August 2012, 20:07
  5. manchmal muss man es so beenden, sonst ist bald nichts mehr da vom anderen……. zerlieben nenn ich das…

    Geschrieben von linda | 28. August 2012, 10:42
  6. Um es mit einer sehr talentierten Sängerin zu beschreiben: Sometimes it last in love but sometimes it hurts instead.

    Ich wünsch dir alles gute und viel Glück! :)

    Geschrieben von waldmonster | 28. August 2012, 19:50

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