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Coole Säue, Liebe

Die Bad Boy-Theorie (Mein Leben fühlt sich grad wie ein Philipp Poisel-Song an … / Teil II)

Im ersten Teil ging es um die Frage, warum Philipp Poisel ständig verlassen wird. Oder anders ausgedrückt: Warum der Protagonist aus Philipps Songs ständig verlassen wird. Schließlich wissen wir nicht, wie viel Autobiografisches in seinen Songs steckt.

Ich riss meine Theorie bereits an, hier ist sie noch mal: Er ist zu nett. Er ist zu lieb. Und damit ist er nicht das, was sich eine richtige Frau unter einem wahren Mann vorstellt. Es wäre allerdings zu billig zu sagen: Frauen wollen Arschlöcher. Wobei: Lasst uns erst mal „Arschloch“ definieren. Das Wort trifft es nämlich nicht genau. Ich hasse Anglizismen, aber um den guten alten „Bad Boy“ komme ich nicht rum. Also ich meine Bad Boys, nicht Arschlöcher. Johnny Depp, Joaquin Phoenix, Pete Doherty – solche Jungs reizen Frauen. Anfangs. Ja, Anfangs vor allem. Und später? Nun ja …

Bad Boys sind nicht pflegeleicht. Obwohl sie im Grunde ihres Herzens eben keine Arschlöcher sind, brechen sie gern aus, verfallen in Verhaltenmuster aus ihrer wilden Vergangenheit. Rock ’n’ Roll halt. Kommen gern mal vollkommen durchgerockt erst am nächsten Morgen (im besten Fall) oder am übernächsten Nachmittag nach Hause.
Es ist zum Verzweifeln. Du hast Dir Sorgen gemacht, große Sorgen, ihm hätte etwas passiert sein können, etwas Schreckliches, irgendeine Bitch, die sich auf seinen Schwanz setzte, zum Beispiel. Doch Du solltest ihn mit Deiner Verzweiflung erst in ein paar Tagen behelligen, schließlich muss der böse Junge erst einmal seinen Rausch respektive seinen Kokainabsturz ausschlafen.

Ich könnte auch so Songs schreiben, wie der Philipp. Wenn ich Songs schreiben könnte. Kann ich aber nicht. Obwohl …, na, keine Ahnung. Ich schreibe dafür Geschichten übers Verlassenwerden. Denn damit kenne ich mich aus. Aufgrund meiner Lebenserfahrung wahrscheinlich sogar noch einen Zacken besser als er. Der Unterschied zwischen seiner Songfigur und mir? Ich wurde nie verlassen weil ich zu nett oder zu lieb war. Nicht, dass ich nie nett und lieb gewesen wäre, klar war ich das, immer mal wieder zwischendurch, aber ich war eben auch immer mal wieder böse, böse, böse, auch so zwischendurch.

Und dafür, bei Gott, bin ich verdammt dankbar! Nein, nicht dafür, dass ich ihnen wehtat, natürlich nicht, ich wollte ihnen niemals wehtun, und der abgefuckte Spruch, dass es mir – fast –  genauso wehtat, gilt, aber viel schlimmer hätte ich es gefunden, wenn ich ständig verlassen worden wäre, obwohl ich stets lieb und nett war.
Ich kenne solche Jungs aus meinem Bekanntenkreis. Vermeintliche Traumtypen, die ihren Mädels immer alles recht machten. Was für ein Albtraum! Wie erbärmlich muss sich so ein Mann fühlen? Und vor allem: Was soll er draus lernen, was beim nächsten Mal „besser“ machen?
Nee, nee, nee, ich weiß genau wieso ich – zu Recht – verlassen wurde und das ist auch gut so!

Wir wollen es eigentlich gar nicht. Böse sein. Doch wie sagt der Volksmund? „Wer einmal dran geleckt, der weiß, wie’s schmeckt!“ Es ist die Bestie in uns, die uns immer mal wieder in die dunklen Ecken unserer Seele führt. Wir versuchen sie unter Kontrolle zu bekommen und meist gelingt es uns auch. Aber eben nicht immer.

Was wollen Frauen also? Meines Erachtens einen Bad Boy a. D. Außer Dienst also. Einen, der noch so ausschaut wie ein böser Junge, dem auch noch die Coolness inne wohnt, halt die ganze Attitüde. Aber eben einen, der inzwischen zur Ruhe gekommen ist und so nett und so lieb wie der Philipp ist.

Ich wünsche viel Erfolg bei der Suche. Wird nicht einfach. So viel kann ich verraten. Denn wie sagte der Volksmund noch mal? Genau!

Ja, gibt es denn da gar keine Lösung? Doch, klar, wie könnte ich Euch ohne einen Ausweg entlassen? Es gibt sogar zwei.
Die erste geht so: Brecht zusammen aus! Setzt gemeinsam ein paar Dächer in Brand! Seid Bonnie & Clyde, seid ein Team! Nein, nicht jede Woche. Natürlich nicht. Daran würde jede Beziehung auf Dauer zerbrechen. Aber mal.
Du kannst das nicht? Weil exzessives Feiern so gar nicht Deine Welt ist? Dann bleibt Dir nur noch die zweite Lösung, die allerdings nichts für Pussys ist: Lass ihm seinen Freiraum. Lass ihn so …, na, sagen wir mal alle sechs Wochen einmal ausbrechen. Keine Sorge: Er kommt schon zurück. Er weiß, wo er hingehört. Er ist ein guter Junge. Kein Böser. Bei (Tages)licht betrachtet zumindest.

Ach, Mensch, jetzt habe ich Euch immer noch nicht die Zeile aufgefangen und Euch erzählt, wieso sich mein Leben grad wie ein Philipp Poisel-Song anfühlt. Nicht weiter wild, schließlich ist sie dies eine Fortsetzungsgeschichte und der dritte Teil kommt bestimmt …

Diskussionen

27 Antworten zu “Die Bad Boy-Theorie (Mein Leben fühlt sich grad wie ein Philipp Poisel-Song an … / Teil II)”

  1. Na dann bin ich ja mal auf den dritten Teil gespannt! Kann ja nur genau so spannend werden!—-> Wie ein Böser kommst du für mich allerdings nicht rüber; bist sicher ein ganz Lieber, der nur streng guckt!!! ;-)

    Geschrieben von Sonja Lindenbaum | 13. Juni 2012, 05:57
  2. “Was Frauen wollen”, können wir das überhaupt je erfüllen? gut geschrieben

    Geschrieben von André | 13. Juni 2012, 06:34
  3. Ich bin wirklich dankbar, dass mir mal endlich ein Kerl die Männerdenke erklärt.
    Selbst in jahrzehntelangen Freifeldversuchen hat diese sich mir immer noch nicht erschlossen.

    “BadBoy”a.D. … das hört sich ja an, als gehe es um ein Päckchen von Douglas (you know: come in and find out!):
    Tolle Verpackung, riesige Schleife mit Gold, Türkis und Glitzer, eine luxuriöses Anhängerchen ….
    und zum Vorschein kommt ein Stück Seife für 1,99.

    Danke !!!

    Geschrieben von sweetkoffie | 13. Juni 2012, 08:13
  4. ” Seid Bonnie & Clyde, seid ein Team! ” YES !!!! Gefällt mir sehr gut :-)

    Geschrieben von nadjasgedankenalbum | 13. Juni 2012, 10:16
  5. Ist auch schwer zu kapieren, warum ihr uns wehtut, wenn ihr’s doch gar nicht wollt und selber leidet. Ist aber wohl so. Meinen Ex hat’s immer tagelang ins Bett geworfen, wenn er mal wieder wegmusste. Welchen Typ Mann haben sich denn deine Exfreundinnen nach dir gesucht? Wieder den wilden Cowboy oder nen Braven? Das würde mich mal interessieren

    Geschrieben von MizzLizz | 13. Juni 2012, 10:17
  6. Mhhh Bad Boy…..ist das nicht im Grunde das, was die meisten Lady’s wollen…..einen der ihnen zeigt wer der Mann ist und (immer) mal wieder ausbricht? Ein ganzer Kerl eben und keine aufgebrühte Pussy mit Schwanz….
    Leiden……was ist leiden? Wer nicht leidet, liebt nicht die Leidenschaft…
    Sehr geil beschrieben und trifft es genau ins Schwarze :-)

    Geschrieben von eileenbecker | 13. Juni 2012, 10:39
  7. Wie wahr, wie wahr….
    Wir Frauen wollen eben Teilzeit-Arschlöcher.

    Geschrieben von Fräulein Ramona | 13. Juni 2012, 13:33
  8. Du hast es auf den PUNKT gebracht!!! Frauen brauchen wohl einen “Clint Poisel”…..;-)

    Geschrieben von Ford Fairlane | 13. Juni 2012, 14:43
  9. Na ich war am Sonntag auf einem Poisel Konzert und er hat in mir nur den Mutterinstikt ausgelöst und das muß man(n) erst mal schaffen…;-) Aber es ging ja um seine Lieder, ich denke ein Mann bzw. Mensch sollte auch Ecken und Kanten haben. Da kann man sich einfach besser daran reiben, ob ein Mann deshalb gleich nächtelang um die Häuser ziehen muss? Ich denke nicht, irgendwann kommt ja jeder mal an…in seiner Mitte oder wo auch immer…:-)

    Geschrieben von Chrissy | 13. Juni 2012, 15:02
  10. Der gute alte Volksmund. Der sagt ja auch folgendes aus “Hinter jedem erfolgreichem Mann steht eine starke Frau”
    Wenn es passt dann passt es halt. Nicht das man die Männer/Frauen zuvor nicht liebte, sie nicht für die einzig wahre Liebe hielt, das ganz sicher, ansonsten wäre der Schmerz ja auch nicht da gewesen. Aber er/sie war halt dann nicht der/die richtige für den Moment, die Zukunft, die Ewigkeit.

    Und so laufen wir weiter durch diese Welt und erfreuen uns an Kleinigkeiten, denn auch diese kann man allein geniessen, zu zweit wäre schöner ja, doch was nicht ist…

    Geschrieben von Mieze | 19. Juni 2012, 18:11
  11. Vielleicht erst mal das hier lesen, bevor der 3. Teil erscheint. Weil Nett die kleine Schwester von Scheiße ist. Und Lodovico Satana ist richtig Scheiße. Dafür weiß er aber, wovon er spricht, auch wenn das viele nicht hören wollen. Weil es am Anfang weh tut, sich selbst zu erkennen, die eigenen Defizite, die eigenen negativen Glaubenssätze, die eigenen falschen Vorstellungen und überzogenen Ansprüche. Aber Arbeit am eigenen Schatten bringt weiter, bringt Licht ins Dunkle. Und Licht ist wie Liebe, sie verwandelt. Auch Eigenliebe, denn damit fängt alles an.

    http://pokererfolg.com/buch.pdf

    Ich habe dieses Lied mal gehasst, hielt es für kalkulierte Anbiederung beim anderen Geschlecht nur der Kohle wegen. Jetzt kann ich darüber lachen. Denn der Teufel steckt wie immer im Detail, und ist ein Eichhörnchen. :)

    Geschrieben von Aca | 26. April 2013, 12:50

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