Franz & Diana. Nur Eine von Vielen? Nein. Immerhin 11 Jahre lang …
Lieber Franz Beckenbauer, sehr geehrter Kaiser Franz,
Sie werden sich nicht an mich erinnern, was nicht schlimm ist, ich erinnere mich für Sie mit. Schließlich sah ich dank Ihnen meine erste nackte Frau (Mütter zählen nicht), und verdanke Ihnen mein erstes Titelfoto.
Wie es dazu kam? Es war 1980. Sie kamen von „New York Cosmos” zum HSV, ich war elf Jahre alt und ein fanatischer Fußballfan. Ich fing Sie an der HSV-Geschäftsstelle ab, holte mir ein Autogramm, ein paar Fotografen knipsten, und ich sah mich am nächsten Morgen auf der Titelseite zweier Hamburger Tageszeitungen wieder. Gott, war ich stolz! Verständlich für einen kleinen Jungen, finde ich.
Sie müssen wissen, ich bin ein gieriger Mensch, damals schon, und deshalb wollte ich noch mehr Autogramme. Ich bekam raus, dass das Training Tags drauf um neun Uhr morgens begann. Zwei Stunden vorher stand ich bereits vor dem Inter-Continental.
„Der steht doch niemals so früh auf!”, meinte der Concierge, der Mitleid mit mir hatte und mir einen heißen Kakao spendierte.
„Doch, doch“, erwiderte ich, „er muss.”
Und Sie kamen. Sahen mich. Und ich siegte.
„Mensch, Junge, was machst du denn bei dieser Kälte schon so früh hier?”, fragten Sie.
„Na, auf den Kaiser warten natürlich!”
„Na, dann komm mal mit hoch, oben ist es nicht so kalt und da habe ich auch noch ein paar Autogrammkarten für dich.”
Ich habe, lieber Franz, in meiner fanatischen Fußballzeit, also zwischen Neun und Zwölf, viele Fußballer kennen gelernt. Manche waren nett, manche weniger nett, aber niemand hatte so ein großes Herz wie Sie!
Wie fuhren mit dem Fahrstuhl in den fünften Stock, gingen in ihre Suite, das war alles schon sehr beeindruckend, doch dann, doch dann, doch dann kam auch noch ihre damalige Freundin Diana Sandmann nackt aus der Dusche!
Das Beste dabei: Sie war keineswegs erschrocken, dass ein fremder Junge mitten im Zimmer stand. Ganz im Gegenteil, sie zwinkerte mir auch noch kokett zu! Das, lieber Franz, prägte mein Frauenbild bis heute. Lässig müssen sie sein, und selbstbewusst, und gern mal nackt.
War schön mit Ihnen, Franz, nächste Woche geht es weiter, ja, aber sicher! Eine Lichtgestalt wie Sie, feiere ich doch nicht mit einem Teil ab!
Im Übrigen: Sie sind der erste Sportler, der von mir in diesem Blog nicht auf die Fresse bekam. Und wissen Sie: DAS haben SIE sich redlich verdient!
Noch ein verdammt langes Leben wünscht,
Ihr
Oliver Flesch
super geschrieben … ich schmunzel noch immer … und habe – dank deiner tollen Beschreibung, alles bildlich vor mir … !!!
Geschrieben von Uschi Jochens | 20. Mai 2012, 20:08Was für ne geile Story!!! Beeindruckend und der einzige Bayer der mir schon immer sympathisch war. Aber das er sich nicht mehr erinnert, ich wage es zu bezweifeln!
Geschrieben von Melanie Habermann | 20. Mai 2012, 20:09Es gibt nicht nur Kaiser Franz, es gibt auch einen wahrhaft kaiserlichen Biografen…
Geschrieben von Roland Ernst | 20. Mai 2012, 20:20Zu viel der Ehre!
Geschrieben von Oliver Flesch | 20. Mai 2012, 20:23Geschehnisse die das Leben prägen…..toll geschrieben
Geschrieben von eileenbecker | 20. Mai 2012, 20:27Ja, die besten Geschichten schreibt das Leben
Geschrieben von Melanie Habermann | 20. Mai 2012, 20:29Der Franz weiss, wie sich ein Kaiser gegenüber seinen Untertanen verhalten muss. Hut ab, vor Kaiser Franz, ein fairer Sportsmann und ein Mann von Welt.
Geschrieben von Werner Berger | 20. Mai 2012, 22:07GANZ genau!
Geschrieben von Oliver Flesch | 20. Mai 2012, 22:08ja der franzl …. eine klasse für sich , der bekommt selbst von einem eingefleischten nicht-fußball-fan wie mir noch ein ” daumen hoch” ! ….. selbstversteäändlich der biograph auch !
Geschrieben von wolfcat01 | 21. Mai 2012, 01:05himmel , ich bin doch gar kein legastheniker !! es sollte natürlich ” selbstverständlich” heißen !
Geschrieben von wolfcat01 | 21. Mai 2012, 01:06Weiß ich doch.
Geschrieben von Oliver Flesch | 21. Mai 2012, 01:20