Für mich ist heute der schönste Tag des Jahres. Obwohl er vollkommen unspektakulär verlaufen wird. Ein bisschen schreiben, ein kleiner Spaziergang im Treptower Park, vorglühen in Kreuzberg am Abend, danach ein bisschen ausgehen. Nichts, was ich sonst nicht auch tun würde.
Worin liegt also die Einmaligkeit des heutigen Tages?
Als ich heute Morgen aufwachte, wusste ich noch nicht, dass dieser Tag ein Besonderer werden wird. Und vielleicht wäre er einfach an mir vorbeigezogen, hätte ich Schokoladenmilch von Landliebe, Vollkornbrötchen und Biobananen (Frühstück) und gelbe Gauloises (Dessert) im Haus gehabt. Hatte ich aber nicht. Also musste ich raus. Ich zog mich warm an – reine Routine nach fünf Monaten Kälte.
Doch als ich die Haustür öffnete, stand er plötzlich in all seiner Pracht vor mir, dieser Tag auf den ich so sehnsüchtig gewartet hatte.
Die Sonne – JA, DIE SONNE! – sie blendete mich, ich kniff die Augen zusammen, freute mich, dass ich keine Sonnenbrille trug, Sonnenbrillen sind etwas für unhippe Hipster, ich wollte mich blenden lassen, endlich mal wieder!
Doch da war noch mehr. Die Sonne blendete nicht nur, das ist keine große Kunst, das kann sie, wenn sie sich sehr anstrengt, auch mal im Winter, nein, sie wärmte mich auch. Sie wärmte mich so sehr, dass dieses kostbare „Alles wird gut!“-Glücksgefühl für einen Sekundenbruchteil durch meinen Körper strömte. Gott, wie lange hatte ich das nicht mehr gespürt!
Eigentlich wollte ich mit dem Auto zu „Kaiser’s“ fahren. Das war der Plan. Die paar Meter? Wäre Wahnsinn! Selbst im Winter. Doch heute? Ich riss mir meine kalifornische Autoschrauberjacke vom Leib, schmiss sie in meinen Wagen, und blickte in den Himmel. Erhaben und anmutig hing sie dort oben. Es war, als würde sie auf mich warten, als hätten wir ein Rendezvous, die Sonne und ich.
Plötzlich roch die Welt ganz anders. So frisch, so rein. Ich atmete tief durch, mein Brustkorb hob sich, die Muskeln spannten unter dem T-Shirt mit dem tiefen V-Ausschnitt.
Ich nenne diesen ersten warmen Tag im Jahr ganz unpoetisch „Den ersten T-Shirt-Tag“. Er kommt Jahr für Jahr ganz plötzlich. Wie eine Zeitmaschine, die mich aus der Finsternis des Winters ins Licht des Frühlings beamt.
Der erste T-Shirt-Tag ist ein Versprechen. Er verspricht all das, wofür es sich zu leben lohnt.
Ich hoffe, der erste T-Shirt-Tag versprach nicht zu viel …

Und da ist es dann wieder, dieses Gefühl erfüllt zu sein. Gute Laune macht sich breit. Ich mag und muss nu die Beine wieder gründlicher rasieren, etwas kurzes anziehen, die Socken in der Schublade lassen etc. Ein schöner Trip der nix kostet man muss nur in der Lage sein es auch zu geniessen, zu erleben.
Geschrieben von Mieze | 19. Juni 2012, 16:24SO sieht es aus!
Geschrieben von Oliver Flesch | 19. Juni 2012, 17:38Mein Gott, wie romantisch!
Bist von der Sonne geküßt worden, was???
Aber allmählich brauchen wir echt konstant gutes Wetter!
Toll geschrieben!
Geschrieben von Sonja Lindenbaum | 20. Juni 2012, 20:37Ich bin eh DER Romantiker!
BEI der RICHTIGEN!
Geschrieben von Oliver Flesch | 20. Juni 2012, 20:41So so!!! Schön, zu hören
Dir ‘nen schönen Abend!
Geschrieben von Sonja Lindenbaum | 20. Juni 2012, 21:18Klasse! Ich habe dieses Gefühl an dem einen, besonderen Tag, wenn die kalte, schneidende Luft des Winters plötzlich weich und warm wird.
Geschrieben von Kerstin Oberländer | 20. Juni 2012, 21:53Das ist wirklich schön
Geschrieben von Bianca | 21. Juni 2012, 01:22Für diesen Tag hab ich ein besonderes Ritual … seit ich klein bin und den Film “Ronja Räubertochter” gesehen habe … ich laufe raus auf die nächste erreichbare grße Wiese und lasse einen ohrenbetäubenden langen und befriedigenden Frühlingsschrei erklingen
Geschrieben von das früchtchen | 27. September 2012, 12:58genau so!
Geschrieben von Roxx | 21. Oktober 2012, 02:53